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photography


size different from 75 x 95 cm to 13 x 18 cm

edition 3

inkjet on hahnemühle photorag 308 g/m2

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randzone (namibia),  selection

6 Uhr morgens. Der ruhige Rythmus einer leisen Brandung in der nahen Ferne, schmeichelt dem noch schläfrigen Ohr. Ab und zu splittert der aufgebrachte Schrei einer Möwe durch die Wand aus Nebel. Der Sand unter den Füssen knirscht sachte und verlangsamt das Gehen. Die Weite der Wüste sprengt die Enge im Kopf. Wie ein Magnet zieht der ferne Horizont, den morgendlichen Spaziergänger zu sich. Die Leere füllt sich mit Stille. Der Himmel ist noch weiss, vielleicht hellgrau oder eierschalengelb. Später, wenn die Sonne den Nebel verbrannt hat, wird er unerbittlich stahlblau und endlos weit sein.


Auch das Meer, auf der anderen Seite, gibt jetzt noch keinen Halt. Nebeldämpfe und Wolkenschwaden radieren die Linie am Horizont aus. Himmel und Wasser verschmelzen in einem alchemistischen Akt und malen eine monochrome, graublaue Taubenfarbe in den diffusen Raum.


In diesem zyklischen Geschiebe der Elemente und dem stummen Getöse des undefinierten Raumes entsteht ein Vakuum, welches das eigene Sein zur gefühlten Grösse eines Elementarteilchens schrumpfen lässt.


Die Dimension des Universums lässt mir zwei Wünsche offen. Entweder in ihr aufzugehen und sich zu verlieren, oder sich abzuwenden und wieder den Halt eines menschlichen Masses zu finden. Ob dieses Mass wirklich Halt bietet, ist allerdings zu bezweifeln. Eher wird sich bei genauerer Betrachtung, der Halt als Illusion erweisen und wie der noch kalte Wüstensand, durch meine klammen Finger rieseln.


Trotzdem, bleibe ich mal bei unseren Massstäben. Diese erweisen sich gerade hier, in diesem «Irgendwo-im-Nirgendwo» zwischen einer Terra Incognita und unserer materiellen Manifestation in ihr, als Hilfsmittel in der Verdeutlichung unserer absurden Handlungen. Man könnte auch sagen, die Natur mit ihrer Langatmigkeit, setzt hinter unsere Bestrebungen ein deutlich dekonstruktivistisch geprägtes Fragezeichen.


Ich ahne, dass die Wüste wie eine eifersüchtige Liebhaberin, früher oder später ihren geraubten Boden, wieder zurückerobern wird. Kaum sind die scharfgezogenen Grenzen menschlicher Anstrengungen vollendet, wird auch schon an deren Verwischung zu Gunsten von Unschärfe und Unsicherheit, gearbeitet. In einer Art «Fuzzy-Logic-Zone» werden meine Vorstellungen, geprägt durch Aristoteles These, dass eine Aussage nur entweder «wahr» oder «falsch» sein könne, zu einem dritten Bereich erweitert. In diesem gibt es zwar keine Eindeutigkeiten mehr , dafür aber eine «poetische» Vielfalt.


Die Begehung dieser Randzone versetzt mich in eine Stimmung, die ich in Tarkowski’s Film «Solaris» gespürt habe. Seltsam und fremd.


Vielleicht liegt diese Stimmung auch daran, dass alles hier wie die Geisterstadtkulisse eines verlassenen Filmsets, aussieht. Urbanität ohne Menschen. Häuser ohne Bewohner. Wege ins Nichts. Strassenlaternen, deren Licht nur den Asphalt tröstet. Spuren, deren kryptische Sprache nie entschlüsselt wird. Grenzkorridore, in deren Aura schon das erlöschen der Energie spürbar ist und in deren Zeit- und Raumbemessung unser Scheitern nicht deutlich, aber vage, schon das Gesicht des Untergangs zeigt.


Schmerzlich, aber auch tröstlich, spüre ich den warmen und grausamen Atem einer unbezähmbaren Natur im Nacken. Der Wandel als einziges Gesetz mit Gültigkeit, setzt alle Spekulationen ausser Kraft. Dies alles unterscheiden und erkennen zu können, trennt mich von Allem und führt mir dadurch die Grundform unseres menschlichen Daseins, die Melancholie, klar vor Augen. Heute. Jetzt.


Morgen werde ich denselben Weg nochmals gehen. Alles wird ganz anders sein und mich deshalb auch an einen anderen Ort führen, an dem wieder andere Gedanken denkbar sind.


Zum Beispiel könnte es sein, dass Herr Beuys mit mir kommt und sich alle diese gestrandeten Findlinge in Kunst verwandeln. Vielleicht mag auch Laotse mich morgen begleiten. Dann wüsste ich wahrscheinlich nachher nicht mehr, ob ich, ich bin, oder vielleicht doch nur geträumt habe, ich sei ich und ob das was ich gesehen habe, auch das ist, was es zu sein scheint. Oder—, vielleicht wird alles was ich weiss, kenne und sich im Laufe der Zeit in meinem Kopf angesammelt hat , durch eine minimale Verschiebung, wie in einem Kaleidoskop, zu einem neuen Muster, einer neuen faszinierenden Spieglung der Spieglung formieren und sich dadurch, in einem ganz anderen Licht zeigen. Es könnte auch sein, dass sich morgen alle Dinge als Spielzeug für Halbgötter entpuppen, die sich in einem gigantischen Sandkasten austoben.


Vielleicht aber lächle ich morgen auf meinem Spaziergang auch nur, schliesse die Augen und sehe, was ich noch nicht gesehen habe. Oder noch besser, was es nicht zu sehen gibt!


Swakopmund im Januar 2009

cl

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